Mein Tank ist fast leer, sollte dringend tanken gehen

Die Tankanzeige, die aufleuchtet oder blinkt, zeigt bei einem Auto klar an, wenn sich der Sprit oder die Batterie dem Ende zuneigt. Spätestens dann reagieren wir, denn die Wenigsten wollen wegen eines leeren Tanks im Nirgendwo gestrandet sein. Und zwar genau dort, wo der Sprit ausgeht und nicht dort, wo wir hin wollten.

Der Kopf alleine reicht nicht aus

Auch wir brauchen für unseren Alltag Kraft und Energie, um weiterzukommen. Interessanterweise reagieren wir, wenn es um unseren Tank an Energie geht sehr reaktiv. Warnzeichen gibt es oft schon lange zuvor, aber die werden verdrängt, zur Seite geschoben und wenig beachtet.

Die Folgen dieses Ignorierens sind enorm, denn es kann zu schwerwiegenden Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit führen. Das reicht von körperlichen Symptomen wie Spannung, Schmerzen oder Gesundheitsproblemen bis zur Unfähigkeit angemessen auf zwischenmenschliche Situationen zu reagieren, Kommunikationsproblemen und Konflikten, da es schwierig ist, Bedürfnisse klar anzusprechen.

Warum tun wir uns teilweise so schwer, innere Zeichen wahr- und ernst zu nehmen?

Gefühle haben im Büro nichts zu suchen?

Eine Führungskraft im Coaching sagte unlängst zu mir: „Gefühle haben im Büro nichts zu suchen!“ Spannend, wo hat dieser Mensch sie denn gelassen? Warum sollten gerade in der Arbeitswelt Gefühle keine Rolle spielen? Diese Art der Selbstsabotage durch Ignorieren von Gefühlen und Körpergefühlen scheint weit verbreitet. Gerade in der Coachingarbeit gibt es zahlreiche Menschen, die mit Gefühlen wie Ärger, Ohnmacht oder Wut zu kämpfen haben, sich aber schwer tun, sie wahrzunehmen und diese Fähigkeit und diesen Fokus erst schärfen müssen.

Und ich kann das gut nachvollziehen. Ich kann mich noch genau erinnern, als ich in einer meiner beruflichen Stationen sehr erfolgreich unterwegs war (von außen betrachtet), das Umfeld allerdings meinen Tank mehr und mehr leerte und ich Gefühle und körperliche Zeichen verdrängte. Der Job selber war spannend, das Umfeld allerdings extrem auslaugend und kräftezerrend. Nach dem Motto: der kreativste Mensch scheitert im unkreativen Umfeld. Auf die Frage meines engsten Umfelds nach Wechsel in eine neue berufliche Herausforderung, warum ich denn nie etwas gesagt habe, entgegnete ich, über mich selbst verblüfft: „weil ich einfach nicht gemerkt habe, wie verrückt das Ganze ist.“

Die unbeachtete Macht des Emotionalen

Angesichts der steigenden Belastungen im modernen Leben rücken Techniken zur Stressbewältigung und Resilienz in den Fokus. Es reicht nicht, den Fokus nur auf das Außen zu richten. Die Fähigkeit der Aufmerksamkeit auch auf das Innere, ist eine vielfach unbeachtete Kompetenz. Denn wer die Innenwelt ignoriert und sich nicht spürt, der wird die Macht des Emotionalen kennenlernen und zahlt einen hohen Preis.

Eine Kopfwehtablette alleine reicht nicht

Wir sind verwöhnt von Bildern, die suggerieren, dass alles leicht, schnell und ohne Aufwand geht. Aber es braucht Bereitschaft, Investment von Zeit und Mut für Change, um sich diesem inneren Bereich zu stellen. Wenn wir uns der Welt der Gefühle und Körpergefühle zuwenden, diese annehmen und beachten, dann wird ungeahntes Potenzial freigelegt.

Die Vorteile sind enorm:

  • mehr Gelassenheit, um Stress und Herausforderungen auszuhalten,
  • wahrgenommene Erleichterung,
  • Kennenlernen neuer Fähigkeiten im Umgang mit sich und anderen, was Weiterkommen ermöglicht,
  • konstruktives und effektives Miteinander, was Nerven und Zeit spart,
  • das Erleben von innerer Sicherheit und
  • weniger Abhängigkeit des eigenen Wohlbefindens von äußeren Umständen.

Und wenn ich persönlich resilienter bin, dann wird auch die Resilienz in der Organisation optimiert, denn wenn es weniger Brösel beim Miteinander gibt, dann spart sich nicht nur der Einzelne Zeit, Geld und Nerven.

Ärger ist der beste Lehrer

Was machen, wenn diese Welt des Unbewussten Angst macht und man sich deshalb nicht traut, sich dem Emotionalen bzw. dem Unbekannten zuzuwenden. Wie starten oder kommen wir weiter in die Tiefe, wenn der Wille zum Lernen da ist und die Benefits des Beachtens von Emotionen erkannt sind?

Dann hilft es sich den dominierenden Emotionen zuzuwenden. Wichtige Schritte zum Integrieren der Innenwelt sind es, Gefühle wie Unzufriedenheit, Ärger, Verlustangst oder Traurigkeit bewusst wahr- und anzunehmen. Diese Gefühle als Lehrer auf dem Weg zu akzeptieren. Sich klar werden, wie es einem in unterschiedlichen Lebensbereichen tatsächlich geht, um dann Schritt für Schritt neugierig weiterzugehen. Hier hilft der Painpoint-Check für eine umfassende Orientierung, wenn ich innehalten will, um zu erkennen, wo es vielleicht Sand im Getriebe gibt.

Wege zu mehr Resilienz

Eine spannende Reise kann vor mir liegen, wenn ich meine Painpoints erkannt habe. Denn Probleme gibt es immer wieder, aber auch Lösungen. Um für diese Arbeit nicht alleine mit Gedanken und Gefühlen zu sein, lohnt es sich persönliche Unterstützung in Form von Experten wie Coaches, Psychologen oder Therapeuten zu suchen. Aber auch unmittelbar die Begleitung in Form von digitalen Tools für einen ersten Schritt im eigenen Tempo zu nutzen, egal ob mit geführten Meditationen oder Tools wie den Ziel-Finder oder Konflikt-Facilitator.

Also: Painpoint erkennen – Unterstützung holen – Mit Techniken weiterkommen – Potenzial für mentale Stärke nutzen

Autorenprofil

Dr. Gabriele Lang ist Geschäftsführerin der UP‘N‘CHANGE GmbH, einem Lösungsanbieter für digitale Lern- & Entwicklungsprodukte. Die Gründerin eines der einflussreichsten österreichischen Beratungs-Start-ups (EU Startup News, 2024) entwickelt mit ihrem Team digitale und hybride Lösungsansätze, um Menschen und Organisationen in ihrer Entwicklung zu unterstützen und zukunftsfit zu machen. Die Visionärin und promovierte Psychologin sieht in der Begleitung durch digitale Formate eine nachhaltige Möglichkeit, emotionale Skills zu stärken und damit Resilienz, Kollaboration und Kreativität zu steigern.